Mit Ende des Bierkartells begann Hype ums Schweizer Bier

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Mehr Brauereien, mehr Sorten, mehr Frauen: In dieser Zürcher Brauszene ist eine neue Generation im Gange. Doch sie tritt ein schwieriges Erbteil an.

«Was ich tue, wird noch zu wenig ernst genommen»: Katie Pietsch braut Bier mit politischem Anspruch. Fotografiert im Bier Lab in Zürich Wiedikon.

«Welches ich tue, wird noch zu wenig verbissen genommen»: Katie Pietsch braut Schoppen mit politischem Anspruch. Fotografiert im Schoppen Lab in Zürich Wiedikon.

Simon Tanner / NZZ

Katie Pietsch kommt irgendetwas zu tardiv. Doch dies trägt ihr im Zürcher Schoppen-Lab niemand nachdem. Sie bringt schliesslich dies, worauf ganz gespannt sind: frisches Schoppen, sechs Fässer voll. Sie hat es mit Freundinnen gebraut und im fahrbarer Untersatz mit ihrem Kumpan nachdem Wiedikon gebracht.

Jeglicher in dieser Wiediker Lokal Kontakt haben Katie Pietsch, begrüssen sie freundschaftlich, fragen sofort, wie es gehe. Die gebürtige Amerikanerin geht von Tisch zu Tisch und sagt «Hey, there», «How’s it going?» und «Good to see you».

Pietschs Schoppen ist divergent denn die meisten. Es heisst PartiziBier, angelehnt an den moralische Forderung «Partizipier!». Mit befreundeten Brauerinnen hat sie es pünktlich zur Frauensession im Schweizer Parlament hergestellt. Passenderweise handelt es sich um ein sogenanntes «session beer». So nennt man im Jargon Biere mit mittlerem Alkoholgehalt.

Dasjenige PartiziBier ist durch und durch politisch: Es enthält 5,0 von Hundert Alkohol – eine Anspielung aufwärts den fünfzigsten Wiederkehr eines Gedenktages dieser Lehrbuch des Frauenstimmrechts in dieser Schweiz. Uff den Flaschen und Dosen prangt eine Schnecke mit grossem Verschlag. Dass es mit dem Frauenwahlrecht in dieser Schweiz so weit gedauert hat, findet Katie Pietsch denn Amerikanerin «unbelievable» – unglaublich. In ihrer Heimat stimmen und wählen Frauen seitdem 1920.

Jener Verbrauch kommt heute vor dem Rausch

In dieser Schweiz gibt es immer mehr Brauhäuser, und dort funktionieren immer mehr Frauen. Frauen wie Katie Pietsch.

Dass Schoppen eine Männersache sei, hält Pietsch pro ein grosses Missverständnis: «In vorindustrieller Zeit waren es zum Paradigma englische Hausfrauen, die Schoppen zu Hause hergestellt und aufwärts dem Markt verkauft nach sich ziehen.» Gleichwohl sonst wo, so Pietsch, standen Frauen am Zustandekommen dieser Biertradition. Doch denn in England und überall die ersten professionellen Brauereien aufgingen und dies Ale maschinell herzustellen begannen, verdrängten die Männer jene «alewives».

Ab dann richtete sich dies gesamte Biergewerbe aufwärts Männer aus: Männer brauten Schoppen pro Männer. Dass Frauen dies ebenso gut können, ging vergessen. Nicht einmal denn Zielgruppe zogen Brauereien die Frauen in Betracht.

Hiermit hätten Frauen seit alters gerne Schoppen getrunken, sagt Carole Gröflin. Sie ist Präsidentin dieser 1992 in Zürich gegründeten, jetzt dennoch schweizweit tätigen Lobby zur Rückhalt dieser Biervielfalt. Sie freut sich via die derzeitige Trendwende. Gröflin sagt: «Mehr als die Zeit ist ein falsches Zeichnung von Schoppen entstanden. Welches jetzt stattfindet, ist eine längst überfällige Korrektur dieser Vorstellung von Schoppen denn Getränk pro Männer mit Vollbart.»

In den letzten dreissig Jahren hat Schoppen in dieser Schweiz verdongeln Hype erlebt, obwohl immer weniger davon getrunken wird. Jener durchschnittliche Verbrauch ist alleinig in den letzten dreissig Jahren von 71 Litern pro Person und Jahr aufwärts 52 Liter zurückgegangen.

Die Zeiten, da man sich mit irgendjemand Pfütze volllaufen liess, seien vorbei, sagt Carole Gröflin. «meine Wenigkeit denke, wir trinken heute bewusster denn noch vor zwanzig Jahren. Schoppen ist vom Rauschmittel zum Genussmittel geworden.»

Jener Stammtisch hat sich seitdem den neunziger Jahren zusehends verändert. «Es wird weniger, tendenziell zu diesem Zweck besseres Schoppen getrunken», sagt Gröflin. Nachdem wie vor steht dies Schoppen dennoch x-mal zentral, wenn Volk sich nachdem dem Feierabend in einer Beiz treffen.

«Frauen haben schon immer gern Bier getrunken», sagt Carole Gröflin. Sie ist Präsidentin der Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt.

«Frauen nach sich ziehen seit alters gerne Schoppen getrunken», sagt Carole Gröflin. Sie ist Präsidentin dieser Lobby zur Rückhalt dieser Biervielfalt.

Tatjana Rüegsegger

Drum ist Schoppen pro Katie Pietsch gleichwohl ein ideales Mittel zu diesem Zweck, politische Diskussionen anzuregen. Am Stammtisch würden Meinungen gemacht, sagt sie, und via dies Schoppen spreche man ohnehin. «Wir wollten jene Aspekte zusammenbringen und ein politisches Schoppen keltern», sagt Pietsch, «wir wollten die Parität zur Sprache bringen, damit hapert es nicht nur im Biergewerbe, sondern überall in dieser Lobby.»

Mit dieser Braumeisterin Susi Lutz, dieser Bierliebhaberin Dylan Lieberherr und Selina Haeny gründete Pietsch zu diesem Zweck den Verein B. I. E. R. Dasjenige Akronym steht pro «Brew for Inclusion, Equality and Respect». Verbinden wollen die vier Frauen irgendetwas zur Frauenförderung, dennoch gleichwohl zur Vielfalt dieser Bierkultur hinzufügen. Welches sie mit dem PartiziBier verdienen, spenden sie an Alliance Fluor, den Dachverband schweizerischer Frauenvereine.

Wenn Katie Pietsch und ihre Mitstreiterinnen mit Schoppen Politik zeugen wollen, dann steht gleichwohl dies im Zeichen einer grossen Veränderung. Solange bis 1991 waren sowohl die Herstellung denn gleichwohl dieser Verbrauch von Schoppen solange bis ins Detail von dieser Politik geregelt. Welches dieser Schweizer Brauerei-Zusammenschluss und die Politik beschlossen, hatte Konsequenzen solange bis zum Stammtisch.

Jetzt kehren die vier Frauen den Spiess um: Sie wollen vom Stammtisch aus die Politik verändern.

Was auch immer aufwärts Standardisierung eingestellt

Solange bis 1991 galt dies landesweite Bierkartell, zu dem sich die grossen Brauereien 1935 zusammengeschlossen hatten, um ihre Marktmacht zu sichern. Mitbewerb gab es praktisch keine. Dasjenige Oligopol hatte via Jahrzehnte was auch immer beherrscht, welches hierzulande mit Schoppen zu tun hatte. Die Schweiz wurde in zehn Gebiete eingeteilt. Wirte hatten ihr Schoppen nebst einer Brauerei aus ihrem Gebiet zu beziehen. Ausserdem gab dieser Schweizer Brauerei-Zusammenschluss seinen Mitgliedern strenge Normen vor, wie Schoppen herzustellen war.

Die Biertrinkerinnen und Biertrinker sollten im ganzen Nation eine Stange ordern können und überall mehr oder weniger dies gleiche Produkt bekommen. Importe waren praktisch unmöglich, ausländische Biere kamen nur aufwärts verdongeln Marktanteil von 1 von Hundert. Dasjenige Oligopol verkaufte 98 von Hundert von allem Schoppen in dieser Schweiz.

Die Brauerei Hürlimann produzierte schon 1955 einen grossen Teil des Zürcher Biers. Oben ist das Sudhaus zu sehen (vor dem Kamin). Links davon das Malzsilo, unten die Werkhöfe, wo Schreiner, Elektriker und Pressionisten ihre Quartiere hatten.

Die Brauerei Hürlimann produzierte schon 1955 verdongeln grossen Teil des Zürcher Biers. Oben ist dies Sudhaus zu sehen (vor dem Ofen). Sinister davon dies Malzsilo, unten die Werkhöfe, wo Zimmermann, Elektriker und Pressionisten ihre Quartiere hatten.

Hermann Schmidli / Photopress-Dokumentensammlung / Keystone

Dass da die Vielfalt aufwärts dieser Strecke blieb, war kein unerwünschter Nebenerscheinung, den dieser Brauerei-Zusammenschluss in Kauf nahm. Einheitsbier war dieser Stein seines Konzepts.

Dasjenige Oligopol hatte pro die Brauereien dennoch gleichwohl verdongeln Nachteil. Da die Gebiete sich nicht veränderten, konnten sie nicht wachsen, ausgenommen durch Aufkäufe anderer Brauereien. In dieser Zeit des Kartells sank drum die Reihe Brauereien kontinuierlich, um von kurzer Dauer vor dem Finale des Kartells verdongeln Tiefpunkt zu glücken. Hatte es 1940 mindestens noch 60 Brauereien gegeben, waren 1990 nur noch 32 übriggeblieben.

Heute sieht die Situation divergent aus: 2020 waren in dieser Schweiz 1212 Brauereien registriert. Mit 131 Brauhäusern pro Million Einwohner ist die spezifisches Gewicht an Brauereien nirgendwo in ganz Europa so hoch wie hier, notfalls nirgendwo aufwärts dieser ganzen Welt.

Enormer Kaution pro die Vielfalt

Dasjenige ist nicht selbstverständlich. Denn dies Erbteil des Bierkartells war kein einfaches. Es fehlte an Produktionsanlagen, an Personal und Fachwissen. So dauerte es solange bis 1997, solange bis mit dieser Turbinenbräu eine dieser ersten Zürcher Kleinbrauereien ihren Werk aufnahm. Und selbst 2010, denn Katie Pietsch pro ihr Doktoratsstudium an dieser ETH nachdem Zürich kam, war ihr die Vielfalt noch zu wenig gross.

«In den USA wäre ich nie aufwärts die Idee gekommen, selbst Schoppen herzustellen», sagt Pietsch. Dort sei dies Angebot längst unüberschaubar geworden. «In dieser Schweiz dennoch gab es noch sehr wenig zu erspähen.» Drum hat sie, denn sie schon promovierte Chemikerin war, die Pharmabranche hinter sich gelassen und in dieser Beer Factory in Rapperswil eine Lehre zur Brauerin absolviert.

Heute funktionieren Katie Pietsch und Susi Lutz in dieser Brauerei Thun, dort nach sich ziehen sie neben ihrer regulären Arbeit gleichwohl dies PartiziBier hergestellt. Die neue Biervielfalt freut die beiden. Dass dieser Markt in Bälde voll sei, bezweifelt Katie Pietsch jedoch. In dieser Schweiz kann man sich nämlich schon mit einer Jahresproduktion von 400 Litern denn Brauerei einloggen. «Die meisten Brauereien produzieren sehr wenig und sind sehr lokal orientiert. meine Wenigkeit glaube drum nicht, dass es in dieser Schweiz in Bälde zu viele Brauereien gibt.»

Tatsächlich nach sich ziehen sozusagen 900 dieser 1212 Schweizer Brauereien verdongeln Ausstoss von weniger denn 2000 Litern. Ihr Marktanteil ist nicht genau eruierbar, dürfte sich dennoch im unteren einstelligen Prozentbereich in Bewegung setzen.

Und kohlemäßig dürften jene Stummelig- und Kleinstbrauereien kaum grosse Sprünge zeugen. Katie Pietsch geht davon aus, dass die meisten dieser Brauereien von Hobbybrauern betrieben werden. Von sich, die sie professionell braut, sagt sie: «Was auch immer in allem verdiene ich heute noch immer weniger denn einst denn Doktorandin.»

Die neue Biervielfalt, sie wird getragen von privatem Engagement.

Uff einmal wurden die Grossen selbst zu den Kleinen

Wie viel heute in irgendwelchen Stuben, Badezimmern oder improvisierten Sudhäusern gebraut wird, damit hätte vor dreissig Jahren wohl noch niemand gerechnet.

In Stadtzürcher Beizen war in den neunziger Jahren genau eine Marke dominant: Hürlimann aus dem Ring 2. 1984 hatte die Brauerei Hürlimann ihre letzte Konkurrentin, die Löwenbräu aus dem Ring 5, aufgekauft. Hürlimann verfügte von da an praktisch via ein Monopol aufwärts dem Gebiet dieser Stadt Zürich.

In Zukunft dennoch wurde die Brauerei Hürlimann zum Todesopfer ihrer eigenen Strategie.

Starke Männer in Lederschürzen: So ging es 1962 in den Brauereien der Schweiz zu. Angestellte im sogenannten Flaschengeschäft der Brauerei Hürlimann in Zürich.

Starke Männer in Lederschürzen: So ging es 1962 in den Brauereien dieser Schweiz zu. Belegschaft im sogenannten Flaschengeschäft dieser Brauerei Hürlimann in Zürich.

Photopress-Dokumentensammlung / Keystone

1996 fusionierte die Brauerei Hürlimann mit Feldschlösschen zur Feldschlösschen Hürlimann Unternehmensverbund. Ein Jahr darauf wurde dieser Werk in Zürich geschlossen, 230 Mitwirkender verloren ihre Stelle.

Zusammen mit dieser Unternehmenszusammenschluss von Hürlimann und Feldschlösschen ging es drum, sich zusammenzutun, um im Vergleich zu dieser internationalen Mitbewerb von Heineken und Carlsberg wettbewerbsfähig zu bleiben, wie dieser Verwaltungsrat Martin Candrian einst sagte.

Doch die Rettung scheiterte. Selbst Hürlimann und Feldschlösschen zusammen erwiesen sich denn zu stummelig, um zu überleben.

Im Jahr 2000 wurde die Feldschlösschen Hürlimann Unternehmensverbund drum aufgeteilt in verdongeln Geschäftsbereich mit Schoppen und verdongeln mit Immobilien. Die Brauereien wurden von Carlsberg aus Dänemark übernommen. Damit fiel die letzte Schweizer Grossbrauerei in die Hände eines ausländischen Grosskonzerns. Übrig blieb nurmehr eine Immobiliengesellschaft.

Es gibt noch immer viel zu tun

Vor dreissig Jahren fiel dies Schweizer Bierkartell, und seither hat sich sozusagen was auch immer verändert im Braugewerbe. Es gibt heute Schweizer Schoppen mit Extrakten von Schwarztee oder mit Mirabellenaroma, und dies sind noch längst nicht die ausgefallensten Sorten. Jener Trend geht hin zu kleineren Brauhäusern, Frauen werden langsam zur Zielkundschaft.

Ist dies dies Finale dieser Historie, Carole Gröflin? «Nein», sagt die Präsidentin dieser Lobby zur Rückhalt dieser Biervielfalt kategorisch.

Zwar hat die Lobby ihre ursprünglichen Ziele mehr oder weniger erreicht. Zu tun gebe es dennoch noch immer viel. In den Restaurants werde Schoppen zum Paradigma noch immer stiefmütterlich behandelt: «meine Wenigkeit kann oft aus Dutzenden Weinen auswählen, dennoch Schoppen gibt es nur eines. Dasjenige ist mächtig schade», sagt Gröflin.

Sie wünscht sich mehr Intellekt um Schoppen und mehr Respekt zu diesem Zweck. Und um Respekt geht es gleichwohl Katie Pietsch und ihren Mitstreiterinnen mit dem Verein B. I. E. R.

«Welches ich tue, wird noch zu wenig verbissen genommen», sagt Pietsch. «Wenn Gäste in dieser Brauerei irgendetwas fragen und ich es exemplifizieren will, schauen sie sich um, fragen sich, wo dieser Großmeister bleibe. Sie können sich nicht vorstellen, dass eine Nullipara Schreiben weiss. Dasjenige muss sich ändern. Wir sollen noch viel mehr Frauen werden.»

Solange bis es so weit ist, wird wohl noch viel Gerstenmalz vergären sollen.

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